Darum geht es
Wenn Figuren ihre eigene Wahrheit erzählen
Unter Wiens glänzender Oberfläche liegt ein grauer, misstrauischer Alltag. Im Männerwohnheim an der Meldemannstraße stellen sich Yuri und Máša Sonnenburg den Fragen ihres Autors – widerwillig, scharfzüngig und nie ganz offen. Was als Gespräch über Herkunft und Ankommen beginnt, führt rasch zu den absurden Regeln des Integrationsprogramms „Piefke 5“, zu früheren Mordfällen und zu Beziehungen, deren Bruchstellen noch immer sichtbar sind.
Yuri, deutscher Geologe und selbst ernannter strategischer Kopf der Piefke 5, sucht in Wien nach Zugehörigkeit und Kontrolle. Seine jüngere Schwester Máša beobachtet genauer, provoziert schneller und kennt Seiten an ihm, die besser verborgen blieben. In Einzel- und Doppelinterviews entstehen zwei Versionen derselben Familie. Antworten widersprechen einander, Witze tragen einen dunklen Nachhall, und die Regieanweisungen verraten oft mehr als das Gesagte.
Der Band löst keinen klassischen Fall. Er öffnet vielmehr eine Figurenakte und macht Selbstdarstellung selbst zum Rätsel. So wird aus dem Interview eine Form des Noir: Jeder kontrolliert seine Geschichte, niemand besitzt die ganze Wahrheit, und hinter jeder Fassade wartet bereits die nächste Frage.
Ein Blick hinter die Kulissen – und in die Lücken zwischen zwei Aussagen.